Ausflug
nach Siófok
Lange geplant, oftmals verschoben, nun endlich
war es soweit. Das Wetterfenster sah gut aus und pünktlich um 7:30 Uhr UTC hob
am 20.08.2010 unsere Zlin Z-43, D-EKGN vom Heimatflugplatz Merseburg mit dem
Ziel Siófok-Kiliti (LHSK) ab. An Bord waren Eckhard und Werner auf den vorderen
Sitzen und Wolfgang auf der hinteren Sitzreihe. Unmittelbar nach uns folgte die
Dimona H36, D-KEIM mit dem Piloten Bernhard und seinem Mitflieger Peter. Nach
dem Verlassen der Platzrunde nahmen wir in einer langen Linkskurve Kurs auf
Chemnitz und stiegen dabei auf unsere Reiseflughöhe von 3500 ft, die wir wegen
des vor uns liegenden Erzgebirges unbedingt brauchten.
Der
Funk und die navigatorische Vorbereitung lagen in den Händen von Eckhard. Unser
Flug verlief nach Flugplan und im Verband, so dass sich die IM im Schatten der
GN ohne eigenen Funkverkehr ganz auf die Aufgaben der Flugzeugführung
konzentrieren konnte. Für Notfälle hatten wir uns ein Codewort vereinbart, das
zum Übergang auf die jeweiligen nationalen Bord-Bord Frequenzen aufforderte. Unter
der Obhut von Praha Information setzten wir den Flug auf tschechischer Seite
südlich der Kontrollzone Praha mit dem Ziel Brno fort. Wir flogen von VOR zu
VOR, nutzten als Sicherheit in Kontrollzonenbereichen das GPS und die guten
Sichtflugbedingungen.
Das
Flugwetter war insgesamt hervorragend und wir konnten die Schönheiten der unter
uns vorbei ziehenden Landschaft in vollen Zügen genießen. Kurz vor Brno, als wir
uns schon auf den Frequenzwechsel zu Brno-Turm vorbereitet hatten, wurden wir
von Praha Information an Brno Radar übergeben. Dies machte nicht nur den Anflug
komplizierter, sondern auch die weitere Flugroute. Zwischen Tschechien und der Slowakei,
aber auch für den Übergang nach Ungarn gibt es feste Grenzüberflugpunkte, die
durch beauftragte Radarstellen überwacht werden. Hilfreich bei der Vorbereitung
waren die im Internet verfügbaren AIP of the CR, AIS of the Slovak Republic und
eAIS Package for HungaroControl. Aber auch das wurde gemeistert, und nach
Übergang auf Brno Turm erhielten wir die Genehmigung, Bravo direkt anzufliegen.
Wir wähnten uns im Queranflug schon fast unten, da kam uns die Mittagsmaschine
von den Kanaren in die Quere und wir mussten noch eine Warteschleife über Brno
absolvieren.
Diese
Maschine, ein kleiner Airbus, hatte aber noch weitere Folgen für uns. Nach der
Landung und dem Abstellen unserer Flugzeuge und der Bezahlung der Gebühren,
äußerten wir den Wunsch nach einem Tankwagen. Durch den Einsatz aller
verfügbaren Kräfte des Flughafens für das Ausladen und wieder Beladen des
Airbusses war auch kein Tankwagenfahrer frei. Dadurch verzögerte sich unser Abflug
um mehr als 90 Minuten.
Um
13:50 UTC ging es dann weiter mit dem Ziel Siófok. Auf die Radarführung waren
wir vorbereitet und erreichten planmäßig den slowakischen Luftraum. Nach
Passieren des VOR JAN hatten wir noch 22 Minuten Flugzeit bis zum Überflug des VOR
GYR, das sich bereits auf ungarischem Gebiet östlich von Györ befindet. Kartenmäßig
lagen jetzt einige „danger areas“ vor uns, die uns die freundliche und resolute
Dame von Budapest Information West problemlos kreuzen ließ. Vor uns jetzt nur
noch das Bakonygebirge mit seiner höchsten Erhebung von 2116 ft. Nach der
Hälfte der planmäßigen Flugzeit von 34 Minuten zeigte sich bereits der Balaton
am Horizont. Info Siófok - Kiliti bestätigte unseren Anflug zur Landung, aber
auch hier gab es eine Störgröße durch einen österreichischen E-Klasse Piloten,
der unbedingt vor uns runter wollte. Nach einer Warteschleife über Siófok und der
schönen Aussicht über die Stadt hatten wir auch dann unsere Chance.
Der
Rasenplatz, auch für Nachtflug zugelassen, befindet sich in einem vorzüglichen
Zustand, nur die Begrenzung der SLB war erst relativ spät zu erkennen. Nach dem
Tanken, dem Verankern der Flugzeuge und dem Bezahlen der Gebühren, hatten wir
noch Gelegenheit das Treiben auf dem Flugplatz zu beobachten. Gästeflüge mit
einer Dauer von fünf Minuten und in gewöhnungsbedürftigen Flughöhen waren von
einer gewissen Neuheit. Mit dem Flugplatzbus ging es dann noch zum Hotel
„Fortuna“. Die Zimmer waren einfach, aber mit dem erforderlichen Standard und einem
guten Preis/Leistungsverhältnis. Nicht zu verachten auch die Möglichkeit, bis
zu zwei Tagen vor Reiseantritt stornieren zu können. Nach einem guten und
reichhaltigen Abendessen in einer typisch ungarischen Gaststätte, zogen wir
dann noch zum Strand, wo um 22:00 Uhr ein Feuerwerk anlässlich des ungarischen
Nationalfeiertages zu sehen war. Wir ließen uns nach dem Ende mit der Menge in
Richtung Hotel treiben, das wir nach ca. 20 Minuten erreichten.
Am
Sonnabend bestand das Programm zuerst aus einer Kleinbusfahrt auf der Südseite
nach Balatonboglar und einer Schiffsüberfahrt von 50 Minuten Dauer nach dem
bekannten Weinort Badacsony auf der Nordseite des Balatons, unserem Tagesziel. Schon
von fern sahen wir den Tafelberg, einen riesigen bewaldetem Basaltfelsen, der
seinem Namensvetter in Kapstadt doch sehr ähnlich sieht. Nach einem Rundgang
durch den Ort mit den vielen Ständen erklommen wir den Berg nicht zu Fuß,
sondern in halsbrecherischer Fahrt mit einem Jeep russischer Bauart bis zum
Kisfaludy Haus, von dem man eine herrlichen Ausblick auf den Balaton, mit den
überall sichtbaren Weinhängen hat. Wir nutzten die Gaststätte zum Mittagessen
und waren auch hier mit der ungarischen Küche sehr zufrieden, zumal eine kleine
Zigeunerkapelle alles unternahm, die Gäste mit ihrer Musik zu unterhalten. Nach
dem Abstieg fuhren wir mit dem Schiff nach Balatonboglar zurück und erreichten
Siófok mit dem Zug nach 45 Minuten Fahrzeit.
Pünktlich
um 8:30 Uhr Ortszeit stand der Bus am Sonntag zur Abholung vor dem Hotel und
nach kurzer Fahrt hatten wir den Flugplatz erreicht. Die Maschinen waren
schnell vorbereitet und um 7:25 UTC starteten wir zum Heimflug. Im Funk waren
außer uns auch noch eine große Anzahl von Flugzeugen mit deutscher Kennung
unterwegs. Brno erreichten wir ohne Probleme und erhielten nach der Landung
einen hervorragenden Abstellplatz direkt vor dem Turm. Zwei Flugplatzkräfte
erschienen schnell und erkundigten sich nach unseren Wünschen. Was für ein
Unterschied zum Freitag. Nach einem Imbiss nutzten wir die
Briefingmöglichkeiten des Platzes. Vor allem wollten wir wissen, ob die
angekündigte Wetterverschlechterung von Norden in dem bekannten Zeitfenster blieb.
Alles war bestens und der Rückflug nach
Merseburg konnte angetreten werden. Wir hielten die gleiche Streckenführung mit
Umkehrkurs bei und landeten am 22.08.2010 um 13:20 UTC nach ordnungsgemäßer
Platzrunde auf der 26. Die IM folgte wenige Minuten später. Für den Rückflug
benötigten wir insgesamt 4:30, der Hinflug dauerte wegen der Windbedingungen 30
Minuten länger. Als Reisegeschwindigkeit hatten wir 160 km/h gewählt.
In der Bildergalerie sind Impressionen des
Fluges einsehbar.